Die Nieuw-Vlaamse Alliantie (N-VA - Neu-Flämische Allianz) ist eine junge Partei mit einer langen Vorgeschichte, die auf den demokratischen flämischen Nationalismus zurückgeht. Die N-VA entstand 2001 aus der Volksunie (VU). Diese Partei wurde 1954 gegründet und schaffte bei den Wahlen in den sechziger und siebziger Jahren den Durchbruch. Der VU gelang es, die traditionellen Parteien ausreichend unter Druck zu setzen, sodass die unitäre Staatsstruktur in eine föderale Struktur umgewandelt wurde.
2001 teilte sich die Volksunie in drei Gruppen. Bei einer Mitgliederbefragung über die Teilung erhielt die Gruppe „Vlaams Nationaal“ unter der Leitung von Geert Bourgeois die meiste Unterstützung. Am 13. Oktober 2001 ging aus dieser Gruppe die Nieuw-Vlaamse Alliantie (N-VA) hervor. In ihrer Grundsatzerklärung beschreibt sich die Partei als demokratische, flämisch-nationale Partei, die sich für ein unabhängiges Flandern als Mitgliedsstaat der Europäischen Union einsetzt.
Die N-VA beteiligte sich 2003 zum ersten Mal an den Föderalwahlen, scheiterte jedoch an der damals gerade eingeführten Fünf-Prozent-Hürde. Die N-VA erhielt mehr als 200 000 Stimmen, nur der Vorsitzende Geert Bourgeois wurde jedoch gewählt. 2004 bildete die N-VA gemeinsam mit den Christdemokraten der CD&V ein Kartell für die flämischen, Brüsseler und Europawahlen. Das flämische Kartell wurde die größte Formation in Flandern und brach die violett-grüne Macht. Die N-VA erhielt sechs Sitze im Parlament und einen Sitz im Europaparlament. Im Juli 2004 wurde Geert Bourgeois Flämischer Minister. Bart De Wever trat seine Nachfolge als Parteivorsitzender an.
Bei den Kommunalwahlen im Oktober 2006 errang die N-VA ihren zweiten Erfolg, und bei den Föderalwahlen am 10. Juni 2007 konnte die Partei ihren dritten Erfolg verbuchen. Das Kartell CD&V/N-VA erreichte 29,6 % für die Kammer und 31,4 % für den Senat. Die N-VA erhielt fünf Kammermitglieder und zwei Senatoren. Der Regierung von Yves Leterme (CD&V) gelang es jedoch nicht, eine Staatsreform durchzuführen. Nach 15 Monaten scheiterten die Verhandlungen am „Non“ der Wallonen. Am 21. September 2008 stieg die N-VA aus der Föderalregierung aus. Das flämische Kartell wurde aufgelöst.
Die N-VA schaffte aus eigener Kraft den großen Durchbruch. Am 7. Juni 2009 erreichte die N-VA überraschenderweise 13,1 % und erhielt 16 Sitze im Flämischen Parlament, einen im Brüsseler Parlament und einen im Europaparlament. Geert Bourgeois und Philippe Muyters wurden Flämischer Minister, Jan Peumans wurde Vorsitzender des Flämischen Parlaments. Am 13. Juni 2010 ging die N-VA als großer Sieger aus den Föderalwahlen hervor und wurde mit 28 % und 27 Sitzen in der Kammer sowie 31 % bzw. 14 Sitzen im Senat sogar zur größten Partei des Landes.